29.03.2007...5:14p06

Geteiltes Leid bleibt Doppeltes

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(kjo) Unter „Kompromiss“ wird gemeinhin verstanden, einen Teil der eigenen Wünsche verwirklichen zu dürfen, dafür aber dem Gegenüber einen anderen Teil abzutreten. Jeder versucht bei der Kompromissfindung seine Ressourcen, die sehr unterschiedlich sein können, so effektiv wie möglich einzusetzen. Das beste Ergebnis für sich zu erlangen, hat oberste Priorität. Halbherzige Kompromisse führen zu halb-guten Ergebnissen und nützen niemandem. Ganzheitliche Kompromisse kann es, das liegt in der Natur der Sache, nicht geben. Wer also soll denn wirklich einen Kompromiss wollen?

 

Ist es möglich, dass sich so zahlreiche Redner in dem Begriff vergriffen haben? Wird aus Versehen nach „Kompromissen“ verlangt, wenn  doch eigentlich „Erfüllt unsere Wünsche!“ gemeint ist? Wie soll ein stabiler Frieden zwischen Israel und Palästina durch Kompromisse erreicht werden? Stabilität würde hundertprozentig zufriedene Konfliktparteien brauchen, die aber müssen während der Aushandlung zurückstecken. Aus der Sicht des Vollkommenen einigen sich am Ende immer zwei Verlierer – die Niederlage als essentielle Voraussetzung eines solchen, notwendigerweise brüchigen Friedens.

Die Forderung „beider Seiten“ –wenn man glauben mag, es gäbe nur zwei – sind elementar und unbedingt. Für die Bevölkerung geht es um Grundbedürfnisse wie Sicherheit, Recht auf körperliche und seelische Unversehrtheit und Chancengleichheit –überall wohlgemerkt. Nun ist es aber so, dass Menschen von Natur aus unersättlich sein müssen in Bezug auf ihre Grundbedürfnisse. Es handelt sich ja hierbei um eine Minimalforderung, nicht um optionalen Luxus. Wie also sollten sich die Menschen mit einem Kompromiss im Nahostkonflikt arrangieren? Lautet die Lösung Dreiviertel-Leben? 

Ein Kompromiss ist also die von Grund auf falsche Herangehensweise an Frieden zwischen Palästinensern und Israelis. Das Ausbalancieren von Forderungen und Lavieren zwischen den Positionen ist sinnlos. Dass es dennoch weitergeführt wird, kann nur als weiteres Indiz für menschenverachtenden Egoismus der Verantwortlichen allerorten verstanden werden. Die Losung muss „Alles für alle“ heißen und zwar ganz konkret. Wer weiterhin über Ein- oder Zweistaatenlösungen und diese oder jene Grenze verhandelt, der arbeitet gezielt, man könnte meinen mutwillig, an der Realität vorbei und setzt den zweiten vor den ersten Schritt. Zunächst muss um jeden Preis die Erfüllung der grundlegendsten Bedürfnisse aller Menschen erreicht werden. Erst wenn der Respekt voreinander wieder grenzenlos ist, kann es auch das Land sein. Auch wenn es zur Zeit anders scheint, so sind es doch immer die Menschen, die Macht über Strukturen und System haben, nicht umgekehrt. Deshalb müssen sich Lösungsansätze ganz unbedingt an die Menschen richten, nicht an „die Politik“ oder „die Wirtschaft“.    

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