Kjo-Ein Freitagabend im August: hundemüde erreichten wir nach einem abwechslungsreichen und langem Tag, voller neuer Eindrücke und Wunderlichkeiten (Es gibt Weleda-Sachen zu kaufen…Warum kostet das Gemüse nur 3 Schekel…) den See Genezareth und suchten uns sogleich ein gemütliches Plätzchen für die Nacht. Nach einem „festlichen“ Abendessen, ein wenig Ausblick auf das Wasser genießen und einem Revue passieren lassen des Tages, fühlten wir uns bereit für Schlaf und Traum. Diese Rechnung hatten wir allerdings ohne die lieben Mitmenschen gemacht, die ebenfalls die Nacht am See verbringen wollten. Zuerst drängten sich zwischen uns und dem See noch einige israelische Jugendliche, die sogleich den Grill angeschmissen und die Gitarre gezückt haben. Nun gut, dann eben hebräisches Liedgut zum Einschlafen, wir sind da ja flexibel. Für einige Stunde sollte es das auch gewesen sein, bis kurz vor Mitternacht noch eine etwas größere Gruppe palästinensischer Jugendlicher auftauchte. Neben der üblichen Unruhe, die durch Platz suchen, auspacken, unterhalten hervorgerufen wurde, hatten sie eindeutig Party im Sinn. Schon lief der Portable CD-Player auf höchster Lautstärke ächzend und Lieder mit eingängigen Refrains wie „Jerusalem gehört uns“ begleiteten die melancholische Mucke der Israelis vor uns. (Die allerdings sehr bald aufgaben und sich ebenfalls schlafen legten.) Als ich das nächste Mal aufwachte, wusste ich zunächst gar nicht, wie mir geschah: Irgendwas rüttelte ganz fürchterlich in und an meinem Kopf und es dauerte eine Weile, bis ich verstand, dass es überlaute Techno-Beats von einer Party ein Stück weiter entfernt waren…Ereignisse dieser Art lassen sich wahlweise fortsetzten und aneinanderreihen und so verging die Nacht.
Seltsam war allerdings der Morgen: Niemand hatte lange oder ununterbrochen oder ruhig geschlafen, aber alle fühlten sich wundersam erholt und hatten die Nacht in schöner Erinnerung. Wer weiß, vielleicht ist ja doch was dran an den Mythen um den See…